085891
Leipzig
1923
15,5×22,5
tvrdi
221
njemački (gotica)
Cijena: 13,50 EUR
Mit 103 Abbildungen. In seinem Werk „Der Geist der Gotik“ (1917, überarbeitete Fassungen bis in die 1920er Jahre) entwirft der Kunstkritiker Karl Scheffler eine kulturphilosophische Deutung der Gotik, die weit über eine rein kunsthistorische Stilanalyse hinausgeht. Für Scheffler ist die Gotik nicht nur eine abgeschlossene Epoche des Mittelalters, sondern ein geistiges Ur-Prinzip. Er stellt den „gotischen Menschen“ (nordisch, suchend, unruhig, transzendent) dem „griechischen/klassischen Menschen“ (südländisch, statisch, in sich ruhend, diesseitig) gegenüber. Er beschreibt die gotische Architektur als Ausdruck eines „formüberwindenden Formwillens“. Das Gebäude strebt nach oben, löst die schwere Materie auf und symbolisiert den Triumph des Geistes über den Stein. Wie viele Intellektuelle seiner Zeit suchte Scheffler nach einer „deutschen Identität“. Er sah in der Gotik das eigentliche Wesen des deutschen Geistes – eine Sichtweise, die im frühen 20. Jahrhundert (Expressionismus). Scheffler schlägt eine Brücke von der mittelalterlichen Kathedrale zur modernen Architektur und zum Expressionismus. Er sieht in der Dynamik und der vertikalen Spannung der Gotik Parallelen zum Lebensgefühl der Moderne. Das Buch gilt heute als ein Schlüsselwerk der Kunstgeographie und der psychologischen Kunstbetrachtung, das stark von den Ideen Wilhelm Worringers („Abstraktion und Einfühlung“) beeinflusst wurde.